Was war der Black War in Tasmanien?
Der Black War war der britische Kolonialkrieg gegen Aboriginal Tasmanians von etwa 1824 bis 1832: mit Massakern, Vertreibung und beinahe Vernichtung.

Kurze Antwort
Etwa 600 bis 900 Aboriginal Tasmanians und mehr als 200 britische Siedler starben im Black War, einem Kolonialkrieg in Van Diemen’s Land, dem heutigen Tasmanien, von etwa 1824 bis 1832. Britische Landnahme, Massaker und Zwangsumsiedlungen brachten die indigene Bevölkerung an den Rand der Vernichtung; heute gilt der Krieg vielen Historikern als genozidaler Prozess.
Das Wichtigste
- Der Black War war ein britischer Kolonialkrieg von etwa 1824 bis 1832 gegen die Aboriginal Nationen Tasmaniens.
- Schätzungsweise 600 bis 900 Aboriginal Menschen und mehr als 200 Kolonisten starben unmittelbar im Krieg.
- George Arthur verhängte 1828 das Kriegsrecht und mobilisierte 1830 ungefähr 2.200 Menschen für die weitgehend gescheiterte „Black Line“.
- Deportation, Krankheit und institutionelle Gewalt setzten den demografischen Zusammenbruch nach dem Ende der Kämpfe im Jahr 1832 fort.
- Viele Historiker bewerten Tötung, Landentzug und Zwangsumsiedlung zusammen als Genozid oder genozidalen Prozess.
Die kurze Antwort: Landnahme, Krieg und Vertreibung
Der Black War war kein einzelner Feldzug, sondern eine eskalierende Folge von Landraub, Überfällen, Vergeltungsaktionen und staatlicher Gewalt. Seit der britischen Besiedlung im Jahr 1803 nahmen Kolonisten Jagdgebiete und Wasserstellen in Besitz. Gewalt durch Soldaten, Robbenfänger, Viehhalter und Sträflinge umfasste Tötungen, Entführungen von Frauen und Kindern sowie sexualisierte Gewalt.
Aboriginal Gruppen antworteten besonders ab 1824 mit Guerillaangriffen auf Hütten, Herden, Vorräte und bewaffnete Siedler. Lieutenant-Governor George Arthur verhängte am 1. November 1828 das Kriegsrecht über die besiedelten Bezirke. Die sogenannte „Black Line“ mobilisierte im Oktober 1830 ungefähr 2.200 Soldaten, Siedler und Sträflinge, um Menschen über die Tasman Peninsula zu treiben; sie nahm nach zeitgenössischen Berichten nur zwei Aboriginal Männer gefangen.
Welche Belege den Krieg und die Todesfälle dokumentieren
Die Beweislage verbindet amtliche Depeschen, Gerichts- und Zeitungsberichte, Tagebücher, Missionsunterlagen, archäologische Befunde und indigene Überlieferungen. Koloniale Akten zählen indigene Tote systematisch schlechter als getötete Europäer: Viele Angriffe geschahen in entlegenen Gebieten, Täter verschwiegen Leichen, und Behörden behandelten Aboriginal Menschen häufig nicht als vollwertige Rechtssubjekte.
„The natives of this Colony are and shall be under the protection of the same laws which protect the settlers.“ — George Arthur, 1828, Proclamation to the Aborigines.
Arthurs Schutzformel stand im Widerspruch zur Praxis des Jahres 1828: Kriegsrecht, bewaffnete Patrouillen, Kopfgelder und die Entfernung indigener Menschen aus kolonisierten Bezirken. Die Bildproklamation, die gleiche Justiz versprach, konnte weder Landraub rückgängig machen noch außergerichtliche Tötungen verhindern.
Der Krieg ist nur innerhalb der umfassenderen Geschichte britischer Kolonialgräuel verständlich: Der Staat beanspruchte Souveränität, ohne einen Vertrag mit den tasmanischen Nationen zu schließen.
George Augustus Robinson führte von 1829 bis 1835 sogenannte „Friendly Missions“ durch. Mit Hilfe indigener Vermittler überzeugte oder nötigte er Überlebende zur Aufgabe. Bis 1835 waren die meisten auf Flinders Island interniert; dort führten Krankheit, Unterernährung, Heimweh und institutionelle Kontrolle zu weiteren Todesfällen.
Todesopfer und Bevölkerung: konkurrierende Schätzungen
Die oft genannte Kriegsschätzung lautet 600 bis 900 getötete Aboriginal Menschen und mehr als 200 getötete Kolonisten für etwa 1824–1832. Sie ist plausibel, aber keine vollständige Namensliste. Lyndall Ryan dokumentierte in ihrer digitalen Massakerkarte, Stand 2022, für Tasmanien mehr als 40 koloniale Massakerorte; ihre Schwelle für ein Massaker liegt bei sechs Getöteten in einer zusammenhängenden Operation.
| Quelle oder Ansatz | Bezugszeitraum | Schätzung oder Befund |
|---|---|---|
| Häufig zitierte Gesamtschätzung des Black War | 1824–1832 | 600–900 Aboriginal Tote; über 200 koloniale Tote |
| Nicholas Clements, The Black War | 1824–1831, publiziert 2014 | ungefähr 1.000 Kriegstote insgesamt, beide Seiten zusammen |
| Lyndall Ryan, Colonial Frontier Massacres Map | Tasmanien 1803–1930, Stand 2022 | mehr als 40 kartierte Massakerorte; keine vollständige Kriegstotalsumme |
| Robert Hughes, The Fatal Shore | Kolonialzeit, publiziert 1987 | indigene Ausgangsbevölkerung ungefähr 4.000 im Jahr 1803 |
| Neuere demografische Obergrenzen | um 1803 | ungefähr 3.000–15.000 Menschen, je nach Modell und Tragfähigkeitsannahmen |
Der demografische Zusammenbruch war größer als die unmittelbare Kriegstotenzahl. Je nach Ausgangsschätzung lebten 1803 ungefähr 3.000 bis 15.000 Aboriginal Menschen auf der Insel. Bei der Verlegung nach Wybalenna auf Flinders Island befanden sich in den 1830er Jahren nur noch einige Hundert unter kolonialer Kontrolle. Krankheiten und Geburtenrückgang wirkten zusammen mit Tötung, Enteignung und Deportation.
War der Black War ein Genozid? Streit und Interessen
Viele Historiker, darunter Lyndall Ryan, Henry Reynolds, Benjamin Madley und Tom Lawson, analysieren die Vernichtung in Tasmanien als Genozid oder als genozidalen Prozess. Maßstab ist die UN-Völkermordkonvention von 1948: Sie erfasst Tötungen, schwere Schäden, zerstörerische Lebensbedingungen, Geburtenverhinderung und gewaltsame Kinderüberführung, sofern die Absicht besteht, eine geschützte Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören.
Keith Windschuttle bestritt in The Fabrication of Aboriginal History von 2002 zahlreiche Massakerberichte und behauptete, für 1803–1847 seien lediglich 118 gewaltsame indigene Todesfälle zuverlässig belegt. Historiker wie Ryan und Reynolds kritisierten seine enge Beweisregel: Fehlende Kolonialakten wurden faktisch als fehlende Tötungen behandelt, indigene Zeugnisse abgewertet und anonyme oder indirekte Berichte ausgeschlossen.
Die Kontroverse wird als „History Wars“ bezeichnet. Sie betrifft nicht nur Zahlen, sondern Verantwortung: Eine niedrige Bilanz stützt die Erzählung ungeplanter Grenzkonflikte; eine breite Auswertung zeigt systematische Vertreibung, staatliche Bewaffnung, Kriegsrecht und Internierung. Dass einzelne Täter nicht die Vernichtung aller Menschen schriftlich anordneten, widerlegt keinen Genozid. Absicht kann aus wiederholten Handlungen, vorhersehbaren Folgen und staatlicher Politik erschlossen werden.
Folgen, Erinnerung und heutige Bedeutung
Bis 1835 hatte die Kolonialregierung den bewaffneten Widerstand weitgehend gebrochen und Überlebende nach Flinders Island deportiert. Die Siedlung Wybalenna, eingerichtet 1833, war kein Schutzraum: Sie unterwarf Bewohner christlicher Disziplin, Überwachung und kultureller Zerstörung. Im Jahr 1847 wurden die verbliebenen 47 Menschen nach Oyster Cove südlich von Hobart verlegt.
Der Black War schuf die Grundlage für britischen Landbesitz in Tasmanien. Es gab weder 1803 noch während des Krieges einen Vertrag, der die Insel abtrat. Moderne Folgen sind Forderungen nach Landrückgabe, Schutz von Kulturerbe, Rückführung menschlicher Überreste und Anerkennung kolonialer Massaker. Im Jahr 1995 verabschiedete Tasmanien den Aboriginal Lands Act und übertrug ausgewählte Gebiete an den Aboriginal Land Council of Tasmania; dies ersetzte keine umfassende Entschädigung.
Wer den Krieg ausschließlich als „Konflikt“ bezeichnet, verdeckt das Machtgefälle zwischen einem expandierenden Imperium und enteigneten Nationen. Zugleich waren Aboriginal Kämpfer keine passiven Opfer: Ihre koordinierten Angriffe von 1824–1831 stellten einen organisierten Widerstand gegen Besatzung dar. Vertiefende Einordnungen bietet das Archiv unter Black War in Tasmanien und Gräueltaten und koloniale Gewalt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Nicholas Clements: The Black War: Fear, Sex and Resistance in Tasmania (University of Queensland Press, 2014)
- Lyndall Ryan u. a.: Colonial Frontier Massacres in Australia, 1788–1930
- Henry Reynolds: An Indelible Stain? The Question of Genocide in Australia’s History (Penguin, 2001)
- [Benjamin Madley: „Patterns of Frontier Genocide 1803–1910“, *Journal of Genocide Research* (2004)](https://doi.org/10.1080/146235204200022593 patterns)
- National Museum of Australia: Black Line
- Encyclopaedia Britannica: Black War
Häufige Fragen
- Wann fand der Black War in Tasmanien statt?
- Die intensivste Phase des Black War dauerte ungefähr von 1824 bis 1832; manche Historiker setzen das militärische Ende bereits 1831 an. Der Konflikt ging aus der britischen Besiedlung ab 1803 hervor. George Arthur verhängte am 1. November 1828 das Kriegsrecht, und im Oktober 1830 folgte die etwa 2.200 Mann starke „Black Line“.
- Wie viele Menschen starben im Black War?
- Die verbreitete Schätzung für etwa 1824 bis 1832 beträgt 600 bis 900 getötete Aboriginal Tasmanians und mehr als 200 getötete britische Kolonisten. Nicholas Clements veranschlagte 2014 ungefähr 1.000 Kriegstote auf beiden Seiten zusammen. Exakte Zahlen fehlen, weil koloniale Quellen indigene Todesfälle unvollständig, widersprüchlich oder gar nicht erfassten.
- Was war die „Black Line“ von 1830?
- Die „Black Line“ war eine im Oktober 1830 von Lieutenant-Governor George Arthur organisierte Treiboperation. Ungefähr 2.200 Soldaten, Siedler und Sträflinge sollten Aboriginal Menschen einkreisen und auf die Tasman Peninsula drängen. Trotz enormer Kosten nahm die Linie nach zeitgenössischen Berichten nur zwei Aboriginal Männer gefangen; strategisch scheiterte die Operation.
- War der Black War ein Genozid?
- Viele Historiker, darunter Lyndall Ryan, Henry Reynolds, Benjamin Madley und Tom Lawson, bezeichnen die Entwicklung von 1803 bis in die 1830er Jahre als Genozid oder genozidalen Prozess. Sie verweisen auf Massaker, zerstörerische Lebensbedingungen, Landentzug und Deportation. Keith Windschuttle bestritt 2002 diese Bewertung und reduzierte die belegte Opferzahl, wurde dafür jedoch methodisch scharf kritisiert.
- Sind die Aboriginal Tasmanians im 19. Jahrhundert ausgestorben?
- Nein. Truganinis Tod im Jahr 1876 wurde kolonial fälschlich als „Aussterben“ dargestellt. Palawa leben bis heute in Tasmanien und auf den Bass-Strait-Inseln. Die Behauptung beruhte auf rassistischen „Vollblut“-Kategorien, die Nachkommen aus gemischten Familien unsichtbar machten. Krieg, Deportation und Krankheit vernichteten viele Gemeinschaften, aber nicht das Volk oder seine fortbestehende Identität.
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