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Welche Länder sind heute noch Kolonien?

Heute gelten 17 Gebiete offiziell als nicht selbstregiert. Eine präzise Übersicht über Kolonialmächte, Bevölkerung, Streitfälle und UN-Status.

Kurze Antwort

17 Gebiete stehen 2026 noch auf der UN-Liste der „Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung“: zehn unter britischer, drei unter US-amerikanischer, zwei unter französischer und je eines unter neuseeländischer sowie marokkanischer Kontrolle. Es sind keine souveränen Länder, sondern koloniale oder abhängige Territorien mit zusammen rund 1,7 Millionen Einwohnern; die Westsahara ist der größte und politisch umstrittenste Fall.

Diese Zahl ist eine enge, institutionelle Antwort. Je nach Definition liegt die Gesamtzahl heutiger Kolonien oder Abhängigkeiten höher, weil die UN-Liste unter anderem Puerto Rico, Guam, Französisch-Polynesien und Neukaledonien nicht vollständig oder gar nicht erfasst.

Das Wichtigste

  • Die Vereinten Nationen führen 2026 genau 17 Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung, die zusammen rund 1,7 Millionen Menschen umfassen.
  • Das Vereinigte Königreich kontrolliert zehn der 17 UN-gelisteten Gebiete und damit 2026 mehr Fälle als jede andere Verwaltungsmacht.
  • Breitere Definitionen ergeben 2025 bis 2026 etwa 30 bis mehr als 50 abhängige Gebiete, zählen aber nicht dieselbe Rechtskategorie.
  • Puerto Rico fehlt trotz fortbestehender Kongresshoheit auf der UN-Liste, weil die Generalversammlung das Gebiet 1953 davon entfernte.
  • Marokkos Kontrolle über etwa 80 Prozent der Westsahara bleibt 2026 eine Besatzungs- und Dekolonisierungsfrage ohne vollzogenes Selbstbestimmungsreferendum.

Die kurze Antwort: 17 von der UN anerkannte Fälle

Die Vereinten Nationen führen 2026 17 Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung. Zehn werden vom Vereinigten Königreich verwaltet: Anguilla, Bermuda, Britische Jungferninseln, Cayman Islands, Falklandinseln, Gibraltar, Montserrat, Pitcairninseln, St. Helena einschließlich Ascension und Tristan da Cunha sowie Turks- und Caicosinseln. Die Vereinigten Staaten verwalten Amerikanisch-Samoa, Guam und die Amerikanischen Jungferninseln; Frankreich verwaltet Neukaledonien und Französisch-Polynesien; Neuseeland verwaltet Tokelau. Die Westsahara steht faktisch überwiegend unter marokkanischer Besatzung, obwohl die UN Marokko nicht als Verwaltungsmacht anerkennt.

„Kolonie“ bezeichnet hier kein souveränes Land, sondern ein Gebiet ohne volle politische Unabhängigkeit, dessen äußere Souveränität bei einem anderen Staat liegt. Die offiziellen Bezeichnungen – etwa „Überseegebiet“, „Collectivité“ oder „nichtinkorporiertes Territorium“ – ändern dieses Machtverhältnis nicht automatisch.

Kontrolle bzw. Verwaltung UN-Gebiete 2026 Zahl Bevölkerung, Bezugsjahre der UN-Schätzungen
Vereinigtes Königreich zehn Gebiete 10 rund 304.000, überwiegend 2021–2023
Vereinigte Staaten Amerikanisch-Samoa, Guam, Amerikanische Jungferninseln 3 rund 204.000, überwiegend 2020–2023
Frankreich Neukaledonien, Französisch-Polynesien 2 rund 549.000, 2019–2023
Neuseeland Tokelau 1 rund 1.900, 2022
Marokko, faktische Kontrolle über große Teile Westsahara 1 rund 600.000, UN-Schätzung 2023
Gesamt UN-Liste 17 rund 1,7 Millionen, Bezugsjahre 2019–2023

Die Belege: UN-Charta und Entkolonialisierungsbeschlüsse

Die Rechtsgrundlage ist Kapitel XI der UN-Charta von 1945. Artikel 73 verpflichtet Staaten, welche Gebiete verwalten, „deren Völker noch nicht die volle Selbstregierung erreicht haben“, deren Interessen vorrangig zu behandeln und politische Selbstregierung zu entwickeln.

„Members of the United Nations which have or assume responsibilities for the administration of territories whose peoples have not yet attained a full measure of self-government recognize the principle that the interests of the inhabitants of these territories are paramount.“ — Vereinte Nationen, 1945, Charter of the United Nations, Artikel 73

Die UN-Generalversammlung erklärte 1960 in Resolution 1514 (XV), dass alle Völker ein Recht auf Selbstbestimmung besitzen und koloniale Herrschaft rasch beendet werden müsse. Resolution 1541 (XV) definierte 1960 drei grundsätzlich mögliche Endpunkte: Unabhängigkeit, freie Assoziierung oder Integration – jeweils auf Grundlage einer freien und informierten Entscheidung.

Die Liste ist jedoch kein vollständiges Register aller Abhängigkeiten. Sie entstand 1946 mit 72 gemeldeten Territorien. Nach UN-Angaben hatten bis 2026 mehr als 80 ehemalige Kolonien mit etwa 750 Millionen Menschen Selbstbestimmung erlangt; 17 Gebiete blieben gelistet.

Zahl der UN-Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung 1946 und 2026Zwei Balken zeigen 72 gemeldete Gebiete im Jahr 1946 und 17 gelistete Gebiete im Jahr 2026.721719462026

Der Rückgang um 55 gelistete Einträge zwischen 1946 und 2026 beweist nicht, dass koloniale Macht verschwunden ist: Einige Gebiete wurden unabhängig, andere integriert oder von der Liste entfernt, ohne dass alle betroffenen Bevölkerungen die Entscheidung als abgeschlossen akzeptieren.

Warum seriöse Zählungen zwischen 17 und mehr als 50 liegen

Es gibt keine universell anerkannte Gesamtzahl, weil „Kolonie“, „abhängiges Gebiet“ und „besetztes Gebiet“ unterschiedliche Rechts- und Machtverhältnisse bezeichnen. Die UN liefert mit 17 Fällen im Jahr 2026 die engste maßgebliche Zählung. Die Norm ISO 3166-1 vergibt dagegen Codes an Staaten und abhängige Gebiete, entscheidet aber nicht über Kolonialstatus.

Ansatz oder Quelle Ergebnis Was gezählt wird
UN-Sonderausschuss für Entkolonialisierung, 2026 17 offiziell gelistete Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung
CIA World Factbook, Gebietsübersicht 2025 mehr als 50 abhängige, überseeische und sonstige politisch besondere Einheiten; keine reine Kolonialliste
UN-Liste plus dauerhaft bewohnte, nicht gelistete Abhängigkeiten, 2026 etwa 30–40 zusätzlich etwa Puerto Rico, Nordmarianen, Grönland, Färöer, Aruba, Curaçao und weitere Gebiete

Die Spanne von 17 bis mehr als 50 im Zeitraum 2025–2026 ist daher kein Streit über dieselbe Messgröße. Sie entsteht durch verschiedene Kriterien: fehlende Souveränität, Entfernung vom Mutterstaat, staatsbürgerliche Ungleichheit, Selbstverwaltungsgrad oder fortbestehender Anspruch einer indigenen Bevölkerung.

Puerto Rico ist das wichtigste ausgelassene Beispiel. Die UN-Generalversammlung entfernte es 1953 durch Resolution 748 (VIII) von der Liste, nachdem die Vereinigten Staaten den 1952 gegründeten „Commonwealth“-Status als Selbstregierung dargestellt hatten. Der US-Kongress behielt jedoch aufgrund der Territorialklausel der Verfassung weitreichende Hoheitsmacht. Die Bevölkerung besitzt seit dem Jones–Shafroth Act von 1917 die US-Staatsbürgerschaft, hat aber 2026 keine stimmberechtigte Vertretung im Kongress und nimmt nicht an Präsidentschaftswahlen teil, solange sie auf der Insel lebt.

Solche Strukturen überschneiden sich mit Neokolonialismus und fortdauernder Ausbeutung, sind aber nicht begrifflich identisch mit formaler Kolonialherrschaft.

Wer den Kolonialstatus bestreitet – und aus welchen Interessen

Verwaltungsmächte verweisen gewöhnlich auf lokale Wahlen, Autonomie, Staatsbürgerschaft, Referenden oder wirtschaftliche Transfers. Das Vereinigte Königreich nennt seine Besitzungen seit dem British Overseas Territories Act von 2002 „British Overseas Territories“, nicht Kolonien. Frankreich beschreibt Neukaledonien seit dem Nouméa-Abkommen von 1998 als besonderen, schrittweise zu dekolonisierenden Status und Französisch-Polynesien als Überseegebiet mit Autonomie.

Politische Autonomie ist nicht dasselbe wie Souveränität: Entscheidend bleibt, wer Verfassung, Außenpolitik, Verteidigung und den endgültigen Status bestimmen kann.

Referenden können reale Zustimmung dokumentieren, aber auch unter kolonial geprägten Bevölkerungs-, Wahlrechts- und Machtverhältnissen stattfinden. Auf den Falklandinseln votierten 2013 1.513 von 1.517 gültig Abstimmenden, also 99,8 Prozent, für den Verbleib als britisches Überseegebiet; Argentinien bestreitet britische Souveränität und beruft sich auf territoriale Integrität. Gibraltar stimmte 2002 mit 17.900 von 18.176 Stimmen, also 98,5 Prozent, gegen eine britisch-spanische gemeinsame Souveränität; Spanien hält an seinem Anspruch fest.

In Neukaledonien ergaben die Unabhängigkeitsreferenden 2018 43,3 Prozent und 2020 46,7 Prozent Zustimmung. Beim dritten Referendum 2021 entfielen 96,5 Prozent auf „Nein“, doch die indigene Unabhängigkeitsbewegung FLNKS hatte wegen der COVID-19-Trauerperiode zum Boykott aufgerufen; die Beteiligung fiel von 85,7 Prozent 2020 auf 43,9 Prozent 2021. Deshalb gilt das Ergebnis politisch nicht als allgemein befriedete Dekolonisierung.

Die Westsahara ist eindeutiger: Der Internationale Gerichtshof stellte 1975 fest, dass weder marokkanische noch mauretanische Bindungen die Selbstbestimmung der Bevölkerung aufheben. Marokko kontrolliert 2026 etwa 80 Prozent des Gebiets; die Frente Polisario kontrolliert den dünn besiedelten Rest. Das von der UN-Mission MINURSO seit 1991 vorgesehene Referendum hat bis 2026 nicht stattgefunden. Ressourcenabbau ohne wirksame Zustimmung ist ein zentraler Fall fortdauernder Ausbeutung und moderner neokolonialer Herrschaft.

Was aus der Antwort folgt

Die belastbarste Kurzform lautet: 17 offiziell anerkannte, aber etwa 30 bis mehr als 50 nach weiteren Abhängigkeitsdefinitionen. Keine dieser Zahlen darf die betroffenen Gesellschaften zu bloßen Punkten auf einer Karte reduzieren. Ihre Rechtslagen reichen von weitgehender Selbstverwaltung bis zu militärischer Besetzung.

Erstens muss jede Behauptung die verwendete Definition offenlegen. Zweitens ist ein Referendum nur dann dekolonisierend, wenn Wahlkörper, Fragestellung, Informationszugang und Folgen nicht einseitig von der Verwaltungsmacht bestimmt werden. Drittens endet Kolonialismus nicht notwendig mit einer neuen Flagge: Schulden, Militärbasen, Rohstoffrechte, Währungsbindungen und Unternehmensmacht können Abhängigkeit fortsetzen. Diese nachkolonialen Strukturen behandelt das Archiv unter Neokolonien und fortdauernde Ausbeutung.

Für die 17 UN-Gebiete bleibt Artikel 73 der UN-Charta von 1945 maßgeblich. Für nicht gelistete Territorien müssen zusätzlich Verfassungsrecht, lokale Selbstbestimmungsbewegungen, indigene Rechte und die tatsächliche Kontrolle über Land, Grenzen und Ressourcen geprüft werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Häufige Fragen

Welche 17 Kolonien erkennt die UN heute an?
Die UN listet 2026 Anguilla, Bermuda, Britische Jungferninseln, Cayman Islands, Falklandinseln, Gibraltar, Montserrat, Pitcairn, St. Helena, Turks- und Caicosinseln, Amerikanisch-Samoa, Guam, Amerikanische Jungferninseln, Neukaledonien, Französisch-Polynesien, Tokelau und Westsahara. Rechtlich heißen sie „Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung“, nicht souveräne Länder.
Welches Land besitzt heute die meisten Kolonien?
Das Vereinigte Königreich verwaltet 2026 zehn der 17 Gebiete auf der UN-Entkolonialisierungsliste und damit die größte Zahl. Frankreich verwaltet zwei, die Vereinigten Staaten drei und Neuseeland eines. Marokko kontrolliert faktisch etwa 80 Prozent der Westsahara, wird von der UN aber nicht als rechtmäßige Verwaltungsmacht anerkannt.
Ist Puerto Rico noch eine Kolonie der USA?
Die UN führt Puerto Rico seit Resolution 748 (VIII) von 1953 nicht mehr als Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung. Kritiker bezeichnen es dennoch als Kolonie: Der US-Kongress besitzt weiterhin Territorialgewalt, und Inselbewohner haben 2026 weder stimmberechtigte Kongressabgeordnete noch eine Stimme bei Präsidentschaftswahlen. Der 1952 eingeführte Commonwealth-Status schuf Selbstverwaltung, aber keine Souveränität.
Ist die Westsahara heute eine Kolonie?
Ja, die Westsahara steht 2026 weiterhin auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung. Marokko kontrolliert seit dem Rückzug Spaniens 1975 heute etwa 80 Prozent; die Frente Polisario beansprucht Unabhängigkeit. Der Internationale Gerichtshof verneinte 1975 marokkanische Souveränitätsrechte, und das seit dem Waffenstillstand von 1991 vorgesehene Referendum fand bis 2026 nicht statt.
Warum sind Grönland und die Färöer nicht auf der UN-Kolonialliste?
Dänemark meldete Grönland und die Färöer nicht dauerhaft als heutige UN-Entkolonialisierungsfälle. Die Färöer erhielten 1948, Grönland 1979 innere Autonomie; Grönlands Selbstverwaltungsgesetz von 2009 erkennt zudem das Recht auf Selbstbestimmung an. Beide bleiben 2026 Teile des dänischen Reichs, besitzen aber weitreichende eigene Institutionen und werden in breiteren Abhängigkeitslisten mitgezählt.

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